FWS bei Kinodokumentation „Wir sind Juden aus Breslau“

Der Film „Wir sind Juden aus Breslau“ will Zeichen setzen, eindringliche Zeichen gegen aktuell wieder stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa und für universale Menschenrechte. Das ist ihm auch in Eschwege in eindrucksvoller Weise gelungen. Davon konnten sich jetzt knapp 200 Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Klassen der Friedrich-Wilhelm-Schule überzeugen, die die Vorstellung im Eschweger Kino Cinemagic größtenteils gebannt und atemlos verfolgten.

Der preisgekrönte Kinodokumentarfilm der Berliner Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies basiert auf den ergreifenden Lebensschicksalen und Erinnerungen bekannter Zeitzeugen und Überlebenden der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland und des Holocaust in den Vernichtungslagern. Zu den mitwirkenden Protagonisten aus Breslau gehören die bekannte Cellistin Anita Lasker-Wallfisch und ihre Schwester Renate sowie Fritz Stern, renommierter Historiker an der Columbia-University in New York. Ihre gemeinsame Leidensgeschichte, die sie früh von den Eltern trennte und den Tod fast aller Angehörigen bedeutete, begann mit den antijüdischen Repressionen im nationalsozialistischen Breslau 1933 exakt im Alter der anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauer.

Kaper und Szuszies lassen die Zeitzeugen ihre Lebensgeschichte in bewegenden und emotionalen Worten erzählen. Ihr Film wird auf diese Weise ein spannendes und lehrreiches Zeitdokument, aber auch eine ehrende Verbeugung vor den Überlebenden und ein filmisches Mahnmal gegen das Vergessen. Er ist am Ende auch ein Appell vor allem an die Jugend, die elementaren Menschenrechte und demokratischen Errungenschaften überall und entschlossen zu verteidigen.

Die Regisseurin Karin Kaper war persönlich aus Berlin angereist, um die Schülerinnen und Schüler der FWS, die seit acht Jahren im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aktiv ist, in den Film und die Hintergründe seiner Entwicklung einzuführen. Nach der Vorführung stellte sie sich noch für ein Filmgespräch mit den Jugendlichen zur Verfügung. Diese interessierten sich vor allem für die Entstehungsgeschichte des Filmes und das weitere Schicksal der Zeitzeugen aus dem Film.

„Ich fand den ganzen Film, aber besonders die historischen Bilder, sehr eindrucksvoll“, fasst Rike Aschenbrenner, Schülerin der 10b, im Nachgespräch zur Vorführung ihre Empfindungen zusammen. Nachhaltig beeindruckt hat sie, dass es ihr Cello war, das Anita Lasker-Wallfisch als junges Mädchen vor dem Tod in Auschwitz gerettet hat, indem es ihr einen Platz im Mädchenorchester des Vernichtungslagers verschaffte. Schulsprecher Tarik Rösner, ebenfalls aus der 10b, empfand den Film als „gute Aufklärung über die Zeit“.

Besonders beeindruckt hat ihn der Bericht eines jüdischen Mädchens, das bereit war, sich mit Gift das Leben zu nehmen, um Haft und Folter durch die Gestapo zu entgehen. Seinen Klassenkameraden Nikolas Weißert „hat besonders berührt, dass Leute in unserem Alter, mit 15 Jahren, ihren Familien entrissen wurden“. Diese Verbrechen dürften nie in Vergessenheit geraten, fordert er. Tarik stimmt zu: „An der Vergangenheit können wir nichts ändern, aber wir müssen ein Bewusstsein entwickeln, dass sie sich nicht wiederholt.“

Die Fotos zeigen die Schülerinnen und Schüler im großen Kinosaal beim Filmgespräch mit Regisseurin Karin Kaper sowie Tarik Rösner, Rike Aschenbrenner und Nikolas Weißert bei der Diskussion über den Film im Klassenzimmer.