FWS-Forum mit dem Autor Wolfgang Büscher

Einen Hauch von Wüstenluft brachte der bekannte Journalist und Reiseschriftsteller Wolfgang Büscher in die Aula der Friedrich-Wilhelm-Schule. Vor einem aufmerksam lauschenden Publikum las er im Rahmen der Veranstaltungsreihe FWS-Forum aus seinem neuen Buch „Der Weg. Eine Reise durch die Sahara“ – eine faszinierende Reportage über eine Reise ins Ungewisse durch eine der lebensfeindlichsten Regionen der Erde.

Wolfgang Büscher bei seiner Lesung in der Aula der FWS

Büscher, der durch frühere Werke wie „Berlin–Moskau“ und „Hartland“ bekannt wurde, hat sich in seinem neuen Buch erneut auf ein außergewöhnliches Abenteuer eingelassen. Diesmal führte ihn sein Weg durch die endlosen Sand- und Steinwüsten des Hoggar-Gebirges im südlichen Algerien, nahe der Grenze zu Mali und Niger. Dort, so Büscher, „kontrollierten finstere Mächte die Wüste: Warlords, russische Söldnertruppen, Islamisten, Putschisten“, immer auf der Jagd nach Lösegeld. Deswegen musste Büscher, der sonst immer allein reist („man muss sich allein der Gegend ausliefern“) auf Anordnung der algerischen Behörden drei einheimische Begleiter akzeptieren.

Nachtflug nach Tamanrasset, ruppige Fahrten mit dem rostigen und verbeulten Geländewagen über unwegsame, nur für geübte Augen überhaupt erkennbare Wüstenpisten, bizarre und „dämonisch packende“ Gesteinsformationen („wie ein gigantisches Schallplattenregal“) in karger Landschaft, Nächte unter einem Himmel voller Sterne – bereits mit den ersten gelesenen Passagen zog der Autor die Zuhörer in seinen Bann. Sein Ziel: Die Eremitenklause (wie „ein Haus auf dem Mars“)  auf dem fast 3000 Meter hohen Gipfelplateau des Assekrem, vor über 100 Jahren gegründet von dem legendären Charles de Foucauld, der zuerst als französischer Offizier in Afrika unterwegs ist, später Mönch wird und mit den Tuareg lebt, die ihn als den „weißen Marabout“ verehrten. In ruhiger, eindringlicher Sprache schilderte Büscher vor allem Begegnungen mit besonderen Menschen wie Amal, seinem Fahrer aus dem Volk der Tuareg oder dem Einsiedler in der alten Steinhütte auf dem Assekrem, der aus Andalusien stammt. „Seltsame Begegnungen sind das Salz des Reisens“, erklärt er. Sein sachlicher, aber poetischer Stil fesselte das sichtlich beeindruckte Publikum, ließ die Zeit vergessen und lieferte für die Pause reichlich Gesprächsstoff.

Die Emeritenklause

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung beantwortete der Autor zahlreiche Fragen. Viele Zuhörer interessierten sich für seine Vorbereitung auf die Reise, für die Gefahren in der Wüste und für seine Motivation, immer wieder extreme Wege zu gehen. Büscher betonte, dass ihn weniger das Abenteuer als vielmehr das „Unterwegssein“ antreibe – das langsame Erkennen von Landschaften, Menschen und sich selbst, dass aber auch die Rückkehr nach Hause stets ein besonderes Erlebnis sei. „Ich gehe gerne weg und guck‘ mir was an, ich komme aber auch gerne wieder nach Hause.“ Tief beeindruckend auch sein ganz aktueller Bericht aus Gaza, das zum ersten Mal seit drei Jahren wieder von einer kleinen internationalen Reportergruppe unter Führung der israelischen Armee besucht werden durfte: „eine reine Trümmerwüste“, die einzigen Farben kalkgrau und sandgelb, Tunnelröhren der Hamas in Richtung Israel und hinter einem Zaun das „normale“ Leben in einem israelischen Kibbuz, wo die Menschen jahrelang in Sichtweite ihrer späteren Mörder lebten.

Mit herzlichem Applaus dankte das Publikum dem Autor für einen intensiven Abend voller Bilder und Gedanken. Wer die Lesung verpasst hat, sollte sich „Der Weg. Eine Reise durch die Sahara“ nicht entgehen lassen – ein Buch, das von der Sehnsucht nach Stille, Weite und Erkenntnis erzählt.