Es gibt Abschlussjahrgänge, die ihre Schule durchlaufen und es gibt solche, die sie prägen. Die diesjährigen Zehntklässlerinnen und Zehntklässler der Friedrich-Wilhelm-Schule gehören zweifellos zur zweiten Sorte. Wer am Donnerstag die feierliche Verabschiedung miterlebte, spürte schnell, dass nicht nur einfach ein Jahrgang die FWS verlässt, sondern ein großes Stück gelebtes Schulleben.

Begonnen hatte der Tag um zehn Uhr mit einem Gottesdienst in der St. Elisabeth-Kirche, den Prädikant Wolf-Arthur Kalden gemeinsam mit Nadja Aschenbrenner und den Zehntklässlern vorbereitet hatte. In einem Anspiel dreier Schülerinnen wurde dabei ein Koffer geöffnet, in dem sich ein Kompass, ein Schlüssel und zuletzt eine Discokugel befanden. Symbole, die Kalden in seiner Predigt aufgriff: vom Orientieren an den Sternen schlug er den Bogen zum Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt. Er betonte dabei besonders, dass die Schülerinnen und Schüler an den vielen Freundschaften festhalten sollen, die sie mit ihren Klassenkameraden geschlossen haben. Den Schlüssel dafür hielten sie selber in der Hand: Sich Zeit füreinander nehmen und in Kontakt bleiben, auch wenn man sich nicht mehr täglich in der Schule sieht.

Danach ging es zur offiziellen Verabschiedung in die Aula der FWS, wo Nele Riedel und Jan Bruns mit einem selbst geschriebenen Song musikalisch einstimmten. Schulleiterin Andrea Herzog blickte anschließend zurück auf sechs Jahre an der FWS. Eine Zeit, in der die Absolventinnen und Absolventen nicht nur Vokabeln und Formeln gelernt haben, sondern vor allem auch sich selbst kennengelernt, Hindernisse überwunden und viele kleine und große Erfolge gefeiert haben. “Wenn ihr in einigen Jahren eure Abschlusszeitung zur Hand nehmt und darin blättert, werdet ihr merken, wie wertvoll diese Jahre waren“, so Herzog.

Für den Elternbeirat fand Herr Pohle mit der Segelmetapher ein schönes Bild: Als kleine „Optimisten“-Segler seien die Kinder einst in der fünften Klasse angekommen, entwickelten sich beständig weiter und überstanden so manchen Sturm, nun wechselten sie auf größere Boote.

Dass dieser Jahrgang besonders war, wurde spätestens bei den Worten der Schülerinnen und Schüler greifbar. Schulsprecher Tarik Rösner (10b) sowie Luca Kanngießer, (10a) Clara Sander (10b) und Noah Trube (10c) ließen die sechs Jahre sehr individuell Revue passieren. Neben vielen Anekdoten wurde hier klar, wie viel Prägendes die Klassen von ihrer Zeit an der FWS mitnehmen. Tränen im Publikum und bei den Rednern selbst zeigten auch, wie emotional für viele der Abschied ist. Ausführlich und herzlich dankten sie ihren Klassenleitungen Frau Aschenbrenner, Frau Calverase und Herrn Zick für die viele Unterstützung, Geduld und das Gefühl, sich immer auf sie verlassen zu können.

Die intensive Verbindung zu ihren Klassen wurde auch in den Reden der Klassenleitungen mehr als deutlich. Frau Aschenbrenner würdigte ihre Klasse 10a, deren Zusammensetzung sie zunächst mit dem perfekten Backrezept verglich und schilderte eindrücklich und humorvoll, wie aus Kindern, die zu Beginn von Jahrgang 8 noch gerne „Busfahren“ spielten, nach und nach junge Erwachsene geworden sind. Frau Calverase knüpfte in ihrer emotionalen Rede abgewandelt an den Titelsong aus dem Musical ihrer Klasse 10b an: „Kennst du das Gefühl, wenn deine Lieblingsklasse von der Bühne geht?“ Gemeinsam mit der Musikklasse erinnerte sie an die vielen gemeinsamen Projekte, zeigte sich sehr dankbar für das Engagement der Schülerinnen und Schülern im Chor und in der Kulturschul-AG. Diese Klasse über drei Jahre begleiten zu dürfen, bezeichnete sie schlicht als traumhaft, voller schöner und witziger Momente. Herr Zick gelang in seiner Rede das Kunststück, jeden Schüler und jede Schülerin seiner Klasse 10c individuell zu erwähnen und eine kleine persönliche Geschichte zu erzählen. Gemeinsam habe die Klasse ein unverwechselbares Ganzes ergeben, das sich vor allem durch viel Humor und Ehrlichkeit ausgezeichnet habe. „Eine Klasse, in die man mit einem Lächeln hineingeht und nach 90 Minuten Unterricht wieder mit einem größeren Lächeln hinausgeht“, so Zick. Das „Wir“ im Abschlussmotto weise auch darauf hin, dass sich die Klasse immer als Gemeinschaft und nie als Einzelkämpfer verstanden habe

Allen drei Reden gemeinsam war eine spürbare Verbundenheit der Lehrkräfte mit ihren Klassen, sowie viele persönliche Würdigungen verbunden mit einigen Tränen und am Ende stehende Ovationen ihrer Schülerinnen und Schüler.

Und so wurde es eine feierliche und herzliche abschließende Zeugnisübergabe. Wie engagiert dieser Jahrgang war, zeigte sich schließlich bei den Ehrungen. Ob in der SV, der Musikklasse, beim freiwilligen sozialen Schuljahr, im Bücherteam oder bei Geschichtsprojekten, dieser Jahrgang war vielfältig am Schulleben beteiligt. Für die jahrgangsbesten Zeugnisse wurden Johann Wenzel, Marie-Sophie Herrmann und Malte Degenhardt geehrt.

Zusätzlich erhielten alle Schülerinnen und Schüler ein 80-seitiges Jahrbuch, das sie in einer Arbeitsgemeinschaft selbst gestaltet hatten und das die Erinnerungen an die Zeit an der FWS noch lange präsent hält.

Endgültig schloss sich der Kreis mit der Übergabe einer Sonnenblume, denn eine solche hatten sie zu Beginn ihrer Zeit an der FWS zu ihrer Einschulung ebenfalls erhalten.

Es bleibt der Eindruck eines Jahrgangs, der nicht nur viel mitnimmt, sondern auch viel hinterlässt.