FWS und Verein vereinbaren intensive Kooperation

Die Friedrich-Wilhelm-Schule und der Verein Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis wollen künftig intensiv und regelmäßig zusammenarbeiten. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten jetzt Andrea Herzog, die Schulleiterin des Eschweger Gymnasiums, und Dr. Martin Arnold, der Vorsitzende des Vereins. Gemeinsames Ziel ist es, Schülerinnen  und  Schülern  aller Jahrgänge  eine Begegnung  mit dem Judentum,   vor allem der lokalen jüdischen  Geschichte und  Kultur,  zu ermöglichen.

Der Verein lädt alle Klassen der FWS im Rahmen des Geschichts-, Religions-, Ethik- und auch Deutschunterrichts ein. Die Angebote bestehen aus dem Besuch des Lern- und Gedenkorts Synagoge Abterode und des jüdischen Friedhofs Abterode als außerschulischen Lernorten. In der Synagoge können Schülerinnen und Schüler über eine App und Tablets Originaldokumente, Interviews und weitere Informationen bekommen, die sich auf Orte und Geschehnisse im Werra-Meißner-Kreis beziehen. Über virtuelle Rekonstruktionen und VR-Brillen können auch die Abteröder Mikwe und die Eschweger Synagoge wieder sichtbar und erlebbar werden. „Das ist sehr gut und wegweisend für die Schule“, würdigt FWS-Chefin Andrea Herzog das Angebot und die Möglichkeit zu Schärfung des Schulprofils des FWS als Schule ohne Rassismus. Die Schule wird die Lernangebote des Vereins mit den Lehrplänen verschiedener Fächer verknüpfen. Der Verein will seine Lernangebote gemeinsam mit den Lehrkräften der FWS planen und abstimmen.

Vereinsvorsitzender Dr. Martin Arnold gab anlässlich der Unterzeichnung der Vereinbarung seiner Hoffnung Ausdruck, dass die punktuell schon gute Zusammenarbeit mit der FWS jetzt kontinuierlich und vertiefend ausgebaut wird. Ziel sei es, durch die Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte gerade auch in ihren lokalen Bezügen nachhaltige Wirkung in der Antisemitismus-Prävention und der Demokratie-Bildung zu erzielen.

Dafür hat der Lern- und Gedenkort Synagoge Abterode nach Auskunft von Dr. Arnold mittlerweile eine große Datenbank zum jüdischen Leben im Werra-Meißner-Kreis aufgebaut. Mehr als 360 Beiträge in Form von Schrift-, Bild- und Filmdokumenten sowie Audiodateien stehen für Forschungs- und Unterrichtszwecke zur Verfügung. Das Gymnasium und der Verein benennen jeweils eine Kontaktperson, um eine dauerhafte und zielgerichtete Kommunikation zwischen beiden Einrichtungen zu gestalten. Die Kontaktpersonen treffen sich mindestens einmal im Schuljahr, um die weitere Zusammenarbeit für das kommende Jahr zu planen und bisherige Maßnahmen weiterzuentwickeln.

Seit ihrer Gründung 1840 gab es immer einen großen Anteil jüdischer Kinder und Jugendlicher in der Schülerschaft der FWS, bis in der nationalsozialistischen Zeit im Schuljahr 1935/36 die die letzten jüdischen Schüler gehen mussten. Deshalb suchten Schul- und Vereinsleitung im Anschluss an die Unterzeichnung den Gedenkstein im Eingangsbereich der FWS auf. Ein vom ehemaligen FWS-Kunstlehrer Volker Bachmann gestaltetes Mahnmal, ein Basaltblock, aus dem ein tiefer Keil herausgefräst ist, erinnert mit den Worten „Den jüdischen Opfern, die an der FWS gelernt und gelehrt haben“ an diesen Teil der Schulgeschichte.

Das Foto zeigt (von links) den Vorsitzenden des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, FWS-Schulleiterin Andrea Herzog mit der Kooperationsvereinbarung und Vereinsvorstandsmitglied Arnold Baier vor dem Gedenkstein für die jüdischen Angehörigen der FWS-Schulgemeinde, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen.