Vom sozialdemokratischen Stadtverordneten in Heringen über den Landesvorstand der Jusos und das Amt des SPD-Generalsekretärs in Hessen bis zum Staatsminister für Europa und Vorsitzendem des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages – beeindruckend verlief der politische Aufstieg von Michael Roth. Nach seinem Ausstieg aus der Politik war er jetzt zu Gast beim FWS-Forum. Im Gespräch mit Moderator Tobias Stück, Redaktionsleiter der Werra-Rundschau, und zog eine ganz persönliche und schonungslose Bilanz einer politischen Karriere mit allen Höhen und Tiefen.

Dem Publikum in der voll besetzten Aula des Eschweger Gymnasiums präsentierte er an diesem Abend nicht nur eine kenntnisreiche und differenzierte Analyse der politischen Kontroversen der letzten Jahre, sondern vor allem einen ermutigenden Aufruf, sich Ängsten bewusst zu stellen und die aktuellen Herausforderungen unserer Demokratie aktiv mitzugestalten.

Michael Roth las ausgewählte Passagen aus seinem Buch „Zonen der Angst“ und stellte sich den Fragen des Moderators Tobias Stück zu seinen persönlichen politischen Erfahrungen. Das Themenspektrum deckte das gesamte Vierteljahrhundert ab, in dem Roth die Kreise Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg im Bundestag – immer mit einem Direktmandat ausgestattet – vertreten hat: die als hart empfundenen Anfangsjahre unter politischen Schwergewichten wie Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Joschka Fischer („Alphamänner und toxische Männlichkeit“), die fehlenden Netzwerke, die politischen Differenzen mit der Fraktionsspitze bei den Griechenlandhilfen in der Finanzkrise 2008, die ihn erstmals bundesweite Aufmerksamkeit eintrugen, und später bei seinem vehementen Eintritt für eine militärischen Unterstützung der Ukraine, die ihm den Spitznamen „Panzer-Michel“ beschert habe.

Im Gespräch setzte sich Roth mit den wachsenden gesellschaftlichen Unsicherheiten auseinander: mit Ängsten vor politischer Radikalisierung, dem Verlust demokratischer Werte als Folge von Polarisierung und Desinformation sowie mit dem ständigen Kampf um Aufmerksamkeit, vor allem in Social Media. Politik habe sich dadurch verändert, sie sei zwar „kein schmutziges, aber ein hartes Geschäft“, für das ihm persönlich am Ende die Kräfte ausgegangen seien. Sein Buch ist aber gleichwohl ein eindringliches Plädoyer für Zivilcourage und eine aktive demokratische Kultur, die besonders von Dialog, Empathie und Engagement im lokalen Umfeld lebt.

Die Veranstaltung endete mit langanhaltendem starkem Applaus und Gelegenheit zu einem kurzen persönlichen Austausch bei der Signierstunde. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von der Offenheit und der Nahbarkeit des Autors, seiner klaren Sprache und authentischen Vortragsweise.

Reiner Herich, Organisator des FWS-Forums, kündigte bereits eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe an: Im Februar wird der profilierte Journalist Heribert Prantl, langjähriger Leiter des Ressorts Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, zu Gast sein.